Dienstag, 17. September 2013

Blogs, E-Mails und Joghurt

Ja, mein Blog ist männlich. Ich sage der Blog. Wieso? Nicht etwa weil ich auch der Butter sage. Sondern weil man es darf. Der Blog ist genauso korrekt wie der Joghurt.


Viele Altblogger gehen die Wände hoch, wenn jemand der anstatt das Blog sagt. Ganz richtig ist der Blog ja eigentlich auch nicht. Blog ist das Kurzwort für Weblog. Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass Wörter, die aus dem Englischen übernommen werden, immer als Neutra (sächliche Nomen) gebraucht werden. Trotzdem klingt der Blog für das Sprachgefühl vieler einfach besser. Der Duden ist nicht so streng wie gewisse Blogger. Laut ihm ist sowohl der Blog als auch das Blog korrekt.

Der Python

Nicht nur mit dem Einfliessen von Fremdwörtern in die deutsche Sprache tauchen immer wieder Fälle auf, die für Kopfzerbrechen sorgen.
Heisst es nun das E-Mail oder die E-Mail? Eigentlich das E-Mail, doch auch hier erlaubt der Duden beides. Ebenso ist es bei der oder dem Cola. Auch beim Joghurt kann man sowohl den Artikel das als auch der verwenden. Ausnahme: Österreicher essen weder das, noch den sondern die Joghurt.
Der Butter ist natürlich haushoch umgangssprachlich, es heisst selbstverständlich die Butter. Doch übertreiben möchte man es ja auch nicht mit der Korrektheit in der Sprache.
Schliesslich fällt es kaum jemandem auf, wenn man der Tunnel anstatt das Tunnel sagt. Und wer weiss schon, dass es eigentlich nicht die Python sondern der Python heisst? Zugegeben, der Duden erwähnt immerhin die Python als umgangssprachlich korrekt. Doch Python war ursprünglich der Name einer Schlange, die Apollo in einer griechischen Sage getötet hat. Diese Schlange ist in der Sage männlich und ist es bis heute auch in der deutschen Sprache.

Der Band, die Band, das Band

Schliesslich gibt es da auch noch Wörter, die mehrere Artikel haben können und ihre Bedeutung mit dem Artikel wechseln. Man denke dabei an den See in Zürich, die weite See, den Schild als Verteidigungswaffe, das Schild mit dem Stoppsignal, den Tau auf der Wiese, das Tau zum festmachen von Schiffen, den gutmütigen Tor, das geschlossene Tor, an den Band, die Band, das Band.

Freitag, 2. August 2013

Wie die Schweizer übers Wetter wettern

Eigentlich sind wir schon froh, wenn der Sommer nicht perfekt ist. Dann haben wir wenigstens was zu reden. 


Wir haben die erfrischendsten Kräuterbonbons erfunden und auch unsere Messer können sich sehen lassen. Wir lassen gerne was für Feuerwerk springen. Und von unseren Bergen aus kann man das auch wunderbar sehen. Gestern haben wir Geburtstag gefeiert. Und wir wissen, wie man das macht. Doch wir Schweizer können noch viel mehr. Beispielsweise haben wir ein Riesentalent, wenn es darum geht, übers Wetter zu nörgeln. Egal wie dieses gerade ist. 
Weil dieser Sommer so ... ähm... vielseitig ist, habe ich diesen Sommer auch ganz unterschiedliche Beschwerden gehört. Ob es nun eiskalt war wie im Juni oder tropisch heiss wie letztes Wochenende: Wir finden immer etwas. Ich habe bis jetzt so viele Beschwerden gehört, ich kann damit eine Liste füllen. Diese hältst du nun vor dir auf dem Bildschirm. 

Top 5 cool


- Das ist gar kein Sommer, das ist Herbst!

- Wenn das jetzt immer so ist werde ich auswandern.

- Kuck mal, ich hab im Juni meine Winterstiefel an!

- Ich getraue mich gar nicht mehr, ohne Schirm aus dem Haus zu gehen

Top 5 hot


- Jetzt hab ich meinen Schirm dabei und es regnet gar nicht!

- Die Lettenbadi ist wieder meeeeega überfüllt...

- Die Sonne tut mir in den Augen weh!

- Kaum kommt man aus der Dusche, schwitzt man auch gleich wieder

- Ach... Jetzt muss ich meine Pflanzen zweimal täglich giessen. 

Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Sommer. Egal wo ihr seid. Und egal wie da das Wetter ist.



Was findest du dazu? Zum Wetter, zum diesem Post, zum Universum und zum ganzen Rest? Ich freue mich über jeden Kommentar!


Montag, 8. Juli 2013

Ungewollte Komik am Zürifäscht

Heute Morgen fühlte sich der überfüllte Zug menschenleer an. Vermutlich für alle, die am Wochenende in Zürich waren. Das Zürifäscht hatte dieses Jahr so viele Besucher wie noch nie. Und wo viele Leute sind, entstehen bekanntlich auch so einige Situationen zum Schmunzeln. Komisch sind vor allem die, die gar nicht so gemeint sind.


Freitagnachmittag, Buslinie 33: Überfüllte Strassen und Busse sind bei grossen Anlässen normal. Kein Wunder also, dass der Bus am Freitagnachmittag zum Bersten voll ist und etwa eine Dreiviertelstunde braucht für die sonst fünfzehnminütige Strecke. Irgendwann wird er dann wegen Verspätung vorzeitig gewendet und die Passagiere gebeten, umzusteigen. In einen Ersatzbus, der genau eine Minute später genau ab der gleichen Station die genau gleiche Strecke weiterfahren würde. Die Frage, weshalb nicht einfach der leere Ersatzbus zurückfahren konnte, bleibt ungeklärt.  
Freitagnacht, Riesenrad: Es tut gut, den Menschenmassen für wenigstens ein paar Minuten zu entkommen. Genau als wir ganz oben sind, bleibt das Riesenrad stehen. Neben uns zum Anfassen nah das gigantisch wirkende Ziffernblatt des Fraumünsters. Unter uns ein Meer aus bewegten Lichtern. Nur das junges Touristenpärchen, welches sich mit uns die Gondel teilt, scheint die Aussicht kaltzulassen. Sie sehen sich auf ihrem Smartphone Fotos vom Feuerwerk an. 
Samstagabend, 22.30 Uhr, 200 Meter vom Seeufer entfernt: In der Hoffnung, ein paar Funken vom Highlight des Zürifästs mitzukriegen, hatten wir uns vom Stadelhofen Richtung Chinawiese gekämpft. Gerade noch rechtzeitig schaffen wir es, uns irgendwo zwischen die Leute zu quetschen. Ans Seeufer zu kommen ist um diese Zeit unmöglich. Doch das Feuerwerk sehen wir auch vom Menschenmeer aus. Was man ebenfalls sieht, sind Handys, die hochgehalten werden und das Feuerwerk anblitzen… Doch egal wie viele Leute mir auf den Füssen stehen und egal wie schlecht deren Fotos werden: das Feuerwerk bleibt ein Höhepunkt. Es geht dabei nicht nur um den leuchtenden Glitzer am Himmel. Es ist alles zusammen, was es ausmacht: Die klassische Musik gehört dazu genauso wie der Jugendliche, der über einen Baum flucht, weil der ihm die Sicht versperrt („Scheiss Züri, überall Bäum!“). 
Samstagnacht, spät, irgendwo auf einem Müürli: Der Boden ist bedeckt mit zerdrückten Bierdosen, im Hintergrund läuft „Good Feeling“ von Flo Rida …. Wir stossen an mit dem obligatorischen süssen Drink in den langen, farbigen Bechern. Ein paar betrunkene Passanten lallen uns an. Irgendwie ist man dann doch froh, dass man mit diesem Publikum nicht auch noch zugfahren muss.

Schön war’s, aber auch ein bisschen anstrengend. Ich für meinen Teil freue mich aber schon aufs nächste Mal… irgendwie.

Samstag, 20. April 2013

Kalt wie Hundeschnauze

Obwohl es viele nicht wahrhaben wollten, wussten wir es doch alle: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Das letzte Wochenende war zwar herrlich sonnig, trotzdem konnte man dem Braten nicht trauen. Petrus verhält sich momentan kalt wie Hundeschnauze und der April macht seinem Klischee alle Ehre. Bestimmt, der eine oder andere Boarder freut sich über den Schnee wie ein Schnitzel. Den meisten Leuten reisst jedoch die Hutschnur. 

 
Bild: bazusa (Creative Commons)

Ja, ich weiss: Das Thema Wetter lockt keinen Hund mehr hinter der Heizung hervor. Deshalb geht es in diesem Post auch nicht ums Wetter, sondern um Redensarten und deren Bedeutung. 

Auffällig ist, in wie vielen Redensarten des Menschen bester Freund vorkommt. Ob der Hund in der Pfanne verrückt wird, man auf den Hund gekommen ist, jemand wie ein Schlosshund heult, man bei dem Wetter kein Hund vor die Tür jagt oder jemand spitz wie Nachbars Lumpi ist. Die Liste ist endlos, es ist zum junge Hunde kriegen. Mein absoluter Favorit in dieser Kategorie:  Mit den großen Hunden pissen wollen, aber das Bein nicht heben können. Welch wunderschöne Umschreibung für jemanden, der krampfhaft versucht, zu höheren Schichten dazuzugehören. 
Wer tatsächlich zu höheren Schichten gehört, möchte meist ungern im gleichen Atemzug mit Hinz und Kunz genannt werden. Doch wer sind Hinz und Kunz? Im Hochmittelalter waren Hinz und Kunz die Kurzformen für Heinrich und Konrad. Dies waren sehr beliebte Namen. Aufgrund ihrer inflationären Verwendung entstand später die Redewendung Hinz und Kunz, was bis heute so viel bedeutet wie jedermann, jede beliebige Person, alle möglichen Leute. Ungeklärt bleibt die Frage, ob die Redewendung in 500 Jahren in „Daniel und Sarah“ abgeändert wird.
Doch ich komme vom Hundertsten ins Tausendste. Zurück zu den Redensarten. 
Ein X und ein U sehen ganz unterschiedlich aus. Wie kann man also jemandem ein X für ein U vormachen? Vorweg: In der Lateinischen Schrift wird kein Unterschied gemacht zwischen dem V und dem U. Bei uns wurden lange Zeit römische Zahlzeichen verwendet. Das X stand für zehn, das V für fünf. Aus einer fünf konnte man also, durch die Verlängerung ihrer Linien, ganz einfach eine zehn machen. Und somit einen Betrag, beispielsweise auf einem Schuldschein, verdoppeln. Diesen Umstand nutzten Geschäftsleute und Gläubiger. Auch Wirtsleuten, die die Schulden ihrer Gäste auf einer Wandtafel festhielten, wurde oft unterstellt, auf diese Art Geld zu ergaunern. Heute bedeutet die Redewendung ganz einfach, dass man jemanden belügt, täuscht oder betrügt.
Zum Glück gibt es aber nicht nur Leute, die andere anschmieren wollen, sondern auch solche, die mal was springen lassen. Die meisten Leute kennen die Bedeutung dieser Redewendung. Doch woher kommt sie? Wenn man heute etwas spendiert oder bezahlt, also springen lässt, tut man dies meist, ohne grosses Aufsehen zu erregen. Bezahlte man jedoch in früheren Zeiten, war es normal, die Geldstücke kräftig auf den Tisch zu werfen. Sinn davon war entweder, die Echtheit der Münzen zu beweisen oder ganz einfach zu zeigen, dass man das Geld hat. 

Zu guter Letzt: Wer Ross und Reiter nennt, macht genaue Angaben. Ich verkneife mir an dieser Stelle einen Lasagne-Witz. 

Mehr Redensarten?
www.duden.de
www.redensarten-index.de
www.redensarten.net
www.sprichwoerter-redewendungen.de

Samstag, 6. April 2013

Muckefuck, schlampampen und puffen

Wörter sind toll. Ich bin bekennende Sprach-Nerdin. Doch Sprache wandelt sich schnell, einige Wörter sind schon (fast) in Vergessenheit geraten. Was schade ist, weil viele von ihnen doch soooooo schön sind…


Unter Groschen-Romanen verstand man früher jene Bücher, die heute oft am Kiosk gekauft werden: Billig-Literatur.
Erkiesen war nicht das, was manche heute noch nach dem Genuss grösserer Mengen Alkohol tun. Es bedeutete erwählen oder küren.
Ein HB-Männchen war nicht etwa ein Bahnhofsmitarbeiter, sondern ein cholerischer Mensch. Das HB-Männchen, auch Bruno genannt, war ursprünglich Hauptfigur zahlreicher Werbespots zur Bekanntmachung von Zigaretten der Marke HB. In jedem Werbespot regte sich Bruno fürchterlich über etwas auf. Daraufhin ertönte aus dem Off eine Stimme: „Halt! Mein Freund, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB. Dann geht alles wie von selbst!“ Ja, das ist schon eine Weile her. Nein, heute dürften sie das nicht mehr.

Doch kommen wir nun zu den richtig interessanten Ausdrücken.
Mit Muckefuck meinte man weder, es mit Musik im Hintergrund zu treiben, noch Fummeln im Freien, wo man von Mücken verstochen wurde. Muckefuck war ganz einfach Ersatzkaffee, der nicht aus der Kaffeepflanze, sondern aus Gerste, Malz, Feigen oder anderen Pflanzen gewonnen wurde. 
Sind Schlampampen äusserst freizügig lebende Damen? Nein, weit gefehlt. Schlampampen ist ein Verb. Seine Bedeutung: schlürfen, schlemmen, prassen, schwelgen. Ich gebe es zu, das klingt jetzt immernoch etwas nach Freizügigkeit. Tatsächlich meint der Ausdruck aber ganz unschuldig das Geniessen von gutem Wein oder Essen.
Auch puffen könnte der Durchschnittsmensch von heute falsch verstehen. Mit puffen meinte man nicht etwa den allwöchentlichen Gang ins Bordell („Alter, du bist so angespannt. Solltest mal wieder puffen gehn…“) Nein. Puffen hiess einerseits, sich (freundschaftlich) mit jemandem zu schlagen oder jemanden zu schubsen. Es wurde auch verwendet für das Geräusch, das entsteht, wenn jemand oder etwas durch plötzliches Entweichen von Luft einen dumpfen Ton von sich gibt (zum Beispiel das „pffffff“ einer Eisenbahn). Schliesslich, und das ist in unserer Zeit die wahrscheinlich häufigste Verwendung, wird auch Getreide gepufft. Insbesondere Mais. Er wird so zu Popcorn. 

Ei der Daus, mein Rechtschreibeprogramm kennt all diese Wort-Antiquitäten!


Mehr selten gewordene Wörter? www.retropedia.de

Samstag, 30. März 2013

Frohe Ostern: Easter Eggs auf Youtube, Google und Co

Kuriose Wegbeschreibungen auf Google Maps, tanzende Seitenelemente, geheime Nachrichten von Robotern. Easter Eggs sind versteckte und oft kreative Gags. Das Schönste daran: Meist sind sie herrlich sinnlos.

 

Eine der wohl allgemein bekanntesten Versionen des Easter Eggs ist der Hidden Track: Ein Titel auf einer Musik-CD, der auf der Trackliste nicht aufgeführt und so platziert ist, dass er nicht sofort entdeckt wird.
Schon lange vor dem Zeitalter der Musik-CD wurden jedoch kleine Informationen oder Spielereien in künstlerische Werke eingebaut. Beispiele solcher "Easter Eggs der alten Schule" sind Gastauftritte von Regisseuren in ihren eigenen Filmen oder versteckte Signaturen auf Gemälden.
Gängig versteht man unter Easter Eggs versteckte, harmlose und oft originelle Funktionen von Websites, Software, Musik-CD’s, Games... Ursprünglich waren sie ein Mittel für Programmierer, um den eigenen Namen in ihre Arbeit einbringen zu können, da dieser sonst nicht erwähnt wurde.
Im Internet findet man heute nicht nur an Ostern unzählige Easter Eggs. Hier eine kleine Auswahl.
Tanzende Seitenelemente: Sucht man auf Youtube nach do the harlem shake, so erlebt man ein Easter Eegg aus dem Bilderbuch. Tipp: Befindet man sich gerade in einer Vorlesung oder im Büro, empfiehlt es sich, die Lautstärke des Computers runterzudrehen. 
Rätselhafte Roboter-Botschaften: Gibt man in die Adresszeile des Mozilla-Browsers about:robots ein, erscheint eine versteckte Botschaft von Robotern an die Menschheit.
The Book of Mozilla: Gibt man hingegen about:mozilla in die Adresszeile des Mozilla-Browsers ein, erscheinen Zitate aus einem fiktiven Buch: Dem "Book of Mozilla".
Das Leben, das Universum und der ganze Rest: Bekannt für seine Gags ist auch Google. Gibt man als Google Suche the answer to life the universe and everything ein, erhält man vom Google-Calculator das Resultat 42. Wer diesen Witz nicht versteht, sollte dringend „Per Anhalter durch die Galaxis“ lesen.
Sie sind bald in Hawaii: Wer auf Google Maps eine Reise von San Francisco nach Sidney, Australien plant, dem wird der Weg „Mit dem Segelschiff über den Pazifik“ vorgeschlagen. 
Wieso auch nicht? Das Leben ist schliesslich zu kurz, um es nicht zu geniessen!
In diesem Sinne: Ein wunderschönes verlängertes Wochenende, frohe Ostern und viel Spass beim Eili suchen!

Dienstag, 26. März 2013

Verantwortungsbewusste Eltern?

Alle sind sehr besorgt um ihre Privatsphäre, wenn es um die Veröffentlichung von Daten und Fotos im Bereich Social Media geht. Trotzdem scheint vielen Eltern nicht bewusst zu sein, dass die Privatsphäre ihrer Kinder genauso wichtig ist. 


In letzter Zeit verbreitete sich auf Facebook (wieder) die Meldung mit dem Inhalt, man solle auf gar keinen Fall der Gruppe „Vater oder Mutter zu werden war das grösste Geschenk meines Lebens“ beitreten. Es handle sich dabei um eine Gruppe von Pädophilen, welche versuchen, sich Zugang zu Fotos von Kindern zu verschaffen. Das Ganze hat sich laut mimikama, einer Website für Facebook-User, als Hoax (Falschmeldung) herausgestellt – die Seite existiert nicht. Es lässt sich hoffen, dass die Meldung trotzdem den einen oder anderen Denkanstoss gegeben hat.
Jedem ist klar, dass Facebook alles Andere als eine sichere Plattform ist. Dass Bilder keineswegs nur die eigenen Freunde sehen können. Es gehört zum guten Ton, sich über die Sicherheitslücken von Facebook zu beschweren. Wir alle sind ach-so-besorgt um unsere Privatsphäre. Die Privatsphäre der eigenen Kinder scheinen dabei Einige zu vergessen.
Wieso können es so viele Eltern nicht lassen, Bilder von ihren Kindern - oft sogar öffentlich sichtbar -  auf Facebook zu stellen? 
Verständlich, dass Eltern stolz sind auf ihre Kinder und dies am liebsten mit der ganzen Welt teilen würden. Doch wollen sie dafür wirklich in Kauf nehmen, dass jeder Einzelne auf dieser Welt die Fotos ihrer Kinder sehen, herunterladen, weiterschicken und für seine Zwecke verwenden und entfremden kann?
Man spricht immer davon, dass Kinder den sicheren Umgang mit Social Media lernen müssen. Gewissen Eltern würde dies jedoch auch nicht schaden. 

Samstag, 16. März 2013

Das Trott-Ich und das Reise-Ich

„In den Ferien sind Schweizer andere Menschen“. Dies war vor einiger Zeit der Slogan eines Schweizer Reiseanbieters. Für einmal hatte uns die Werbung nicht belogen.  


Besonders wenn Herr und Frau Schweizer länger unterwegs sind, also nicht in den Ferien, sondern auf Reisen, erkennt man sie kaum wieder.
Der unfreundliche Stadt-Stereotyp, der keine Fremden grüssen oder auch nur ansehen würde. Der leicht reizbare Pendler, der einen Beschwerdebrief schreibt, wenn der Zug vier Minuten Verspätung hatte. Die Klischeedame, die eine allergische Reaktion bekommt, wenn jemand im Tram zu laut telefoniert.
Diese Figuren scheinen auf Reisen nicht zu existieren. Sie verwandeln sich in kontaktfreudige, unbesorgte Menschen, die über Fischmärkte schlendern, mittags ein Bierchen trinken, in der Holzklasse eines Zuges mit halbstündiger Verspätung mitfahren, über Preise verhandeln oder sich in prickelnde Abendteuer mit Unbekannten stürzen.
Viele von Ihnen nehmen sich vor, nach Ihrer Rückkehr genauso entspannt zu bleiben wie während der Reise. Doch kaum sind sie wieder in ihrem gewohnten Umfeld, verfallen sie dem alten Trott.
Es beginnt bereits auf dem Weg vom Flughafen nach Hause. Hier sitzt man nun in seinen bequemen Reiseklamotten, mit tausend Erinnerungen im Herzen und einem einzigen Klumpen Jetlag im Kopf. Etwas melancholisch, etwas glücklich, etwas verwirrt. Man muss enorm aufpassen, dass man ja nicht zu fest rumlächelt und später im Coop nicht aus Reflex versucht, über Preise zu verhandeln. Dass man im Zug keine fremden Menschen anspricht. Dass man als Zürcherin bloss nicht zu freundlich ist, weil man sonst für verrückt gehalten wird...
Wir Schweizer haben zwei Ich's: Das Trott-Ich und das Reise-Ich. Und wir sind äusserst anpassungsfähig. Spätestens nach einer Dusche im eigenen Bad hat bei den Meisten das Trott-Ich wieder die Oberhand gewonnen.